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2016-fruehjahr

„Benni, mein Junge“, erfreut schlug Karl ihm auf den Rücken und Benni verschluckte sich am Eibrötchen. „Zweites Frühstück?“ Benni brauchte eine ganze Weile, bis er zu seiner normalen At- mung zurück gefunden und sich die Eibrocken vom Ärmel gepult hatte. „Kannst du nicht warten, bis ich den Mund leer habe?“ Er rieb sich eine Träne weg. „Meine Güte, ich wäre fast gestorben.“ „Du musst nicht so schlingen. Das ist nicht gesund. Ich hole mir schnell eine Tasse Kaffee, möchtest du auch noch was? Ich gebe einen aus.“ AlsKarlmitzweiTassenzurückkehrte,mussteBennisichzwischen- drin immer noch räuspern. Als er endlich wieder bei Stimme war, fragte er Karl: „Sag mal, fällt dir zu Hause die Decke auf den Kopf? Ist deine Frau noch zur Kur?“ Karl nickte. „Ja. Noch vier Wochen. So eine Hüfte dauert eben. Aber ihr geht es gut da, sie mag ja Bayern. Und ihre Schwester wohnt in der Gegend, die fährt öfter hin.“ „Und du besuchst sie gar nicht?“ Benni musterte ihn erstaunt. „Du bist doch Rentner, du hast doch jetzt Zeit. Fahr doch mal hin und mach dir ein paar schöne Tage.“ „Ach, weißt du“, Karl guckte gequält. „Ich fahre ja nicht so gern Zug, mir wird da schnell übel, und Gerda ist ja in einer Klinik, die liegt noch hinter Nürnberg, das ist von hier aus eine Ewig- keit. Wenn sie entlassen wird, fahre ich hin und hole sie ab. Bis Hamburg mit dem Zug, da treffe ich mich dann mit meinem Sohn, und der nimmt mich mit dem Auto mit. Meine Frau findet das in Ordnung. Sie hat gesagt, ich würde sie da nur stören.“ „Aha.“ Benni sah ihn an. „Langweilst du dich?“ „Ich?“ Karl lachte. „Also bitte. Ich und Langeweile, ich weiß nicht mal, wie man das schreibt. Ich mache dieses und jenes, vorhin war ich schon bei Onno Thiele, apropos, du weißt, dass seine Tochter bei euch anfängt, oder?“ Benni nickte. „Maren Thiele, das weiß ich, das hat Runge uns schon vor ein paar Wochen erzählt. Sie hat sich aus privaten Gründen hierher versetzen lassen. Und der Kollege Schneider wollte ja wegen seiner Freundin nach Münster. Die haben ein- fach die Dienststellen getauscht. Was sind denn ihre privaten Gründe? Kommt sie auch aus Liebe?“ „Nein“, Karl schüttelte den Kopf. „Oder im Gegenteil. Sie hat sich vor einem Jahr von ihrem Freund getrennt. Und danach hat sie wohl Heimweh bekommen. Sie ist ein Inselkind, hier geboren, hier aufgewachsen, hier zur Schule gegangen, und jetzt kommt sie zurück. Was will sie auch in Münster? Das ist ja so weit weg vom Meer.“ Schulterzuckend griff Benni zu seiner Tasse und trank den Rest Kaffee aus. „Dafür hat Münster andere Qualitäten. Da ist be- stimmt mehr los als hier. So, ich muss los, hab jetzt Dienst. Danke für den Kaffee.“ Bevor er gehen konnte, hielt Karl ihn am Ärmel fest. „Warte mal, Benni. Sag mal: Hier ist doch auch einiges los? Habt ihr schon eine Spur bei den Einbrüchen?“ Fortsetzung von Seite 61 Böse Böse Leute KRIMINALROMAN VON DORA HELDT SYLT EN VOGUE | ERLEBEN ANZEIGE 126

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